Deutschland legalisiert Cannabis als Medizin

Legales, medizinisches Cannabis (Cannabis-Öl ausgeschlossen)

Neues Gesetz soll schnelle und unbürokratische Hilfe bei schweren Erkrankungen ermöglichen

Berlin – Die Pressemitteilung des Bundesministeriums für Gesundheit vom 19. Januar 2017 ist für viele Betroffene ein Lichtblick. Auch wenn es lange nicht danach aussah, sollen Versicherte mit schwerwiegenden Erkrankung künftig Anspruch auf die Versorgung mit Cannabis in Form von getrockneten Blüten oder Extrakten in standardisierter Qualität haben, bzw. Arzneimitteln mit den Wirkstoffen Dronabinol oder Nabilon. Bislang erschwerten komplizierte Antragsverfahren, Begrifflichkeiten wie “Austherapiertheit” und die Selbstfinanzierung den Zugang zu medizinischem Cannabis.

Die Gesetzesänderungen, die ab März in Kraft treten sollen, versprechen Verbesserung und werden von den Befürwortern als “europaweit einzigartiges Paket” beschrieben.

Weg von Ausnahmegenehmigungen und Selbstfinanzierung

Cannabis kann gegen Spastiken bei Multipler Sklerose, chronische Schmerzen bei Neuropathie, Rheuma oder Krebs helfen. Es ist es auch bei Appetitlosigkeit wegen AIDS, Krebs oder Alzheimer wirksam sowie bei Übelkeit infolge von Chemotherapien oder Nervenkrankheiten wie dem Tourette-Syndrom. Darüber hinaus lassen sich negative Nebenwirkungen anderer Medikamente vermeiden. Trotzdem bedurften Patienten bislang einer Ausnahmegenehmigung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Das Erlangen dieser Genehmigung stellte nicht nur für die Patienten sondern auch für die behandelnden Ärzte eine mit großem Aufwand verbundene, bürokratische Hürde dar. Zudem mussten die Medikamente aus der eigenen Tasche bezahlt werden, was bei einem Grammpreis von 15 Euro (Abgabepreis in Apotheken) und einem täglichen Bedarf von bis zu vier Gramm schlichtweg auf Dauer für die meisten Betroffenen nicht finanzierbar war.

Druck auf die Politik

Dauerhaft konnte man nicht die Augen davor verschließen, dass Cannabis in manchen Fällen eine seriöse Alternative zu bestehenden Medikamenten darstellt. Auch eine breite Zustimmung aus der Bevölkerung spricht für sich. So stieg entsprechend repräsentativer Umfragen die Menge derer, die Cannabis-Produkte zur Therapie chronischer Schmerzen oder zur Linderung der Spastiken bei Multipler Sklerose befürworten, auf über 80 Prozent. Darüber hinaus waren Politiker mit dem Transport von Einzelschicksalen durch die Medien sowie mit Kampagnen wie denen des Deutschen Hanfverbandes (DHV) und seines Partners “Cannabis als Medizin” konfrontiert. Einen weiteren ausschlaggebenden Faktor für die aktuellen Gesetzesänderungen stellten Gerichtsentscheidungen der letzten Jahre dar, die es Patienten durch die Erteilung von Ausnahmegenehmigungen gestatteten, Cannabis selbst anzubauen. Eine wachsende Eigenanbau-Szene sollte jedoch vermieden werden, was den politischen Handlungsbedarf noch erhöhte.

Kostenübernahme und Wegfall des Antragsverfahrens

Das Ergebnis der bevorstehenden Neuerungen sieht auf den ersten Blick vielversprechend aus:

Zukünftig soll Cannabis auf Betäubungsmittelrezept ohne aufwändiges Antragsverfahren verschrieben werden können, wie es beispielsweise auch bei Morphin der Fall ist. Dabei dürfte der Wegfall des bürokratischen Aufwandes auch die Bereitschaft der behandelnden Ärzte erhöhen, Rezepte auszustellen.

In diesem Zusammenhang wurde auch das Thema der “Austherapiertheit” gelockert. So müssen Patienten vor der Verschreibung von Cannabis nicht alle anderen möglichen Medikamente probieren.
Eine große Verbesserung für die Patienten stellt die Kostenübernahme durch die Krankenkassen in vielen Fällen dar, denn der monatliche finanzielle Aufwand beträgt durchschnittlich um 540 und teils bis zu 1800 Euro.

Und auch wenn die wirtschaftliche Bedeutung den Betroffenen wohl egal sein dürfte, bleibt zu erwähnen, dass sich Deutschland künftig dem Cannabisanbau öffnet. Ermöglicht wird dies durch die Installation einer “Cannabis-Agentur” im Bundesinstitut für Arzneimittel. Durch diese sollen Lizenzen vergeben und Ausschreibungen gemacht werden. Der private Anbau bleibt weiterhin untersagt.

Kein Eigenanbau und unklare Definitionen

So werden trotz großer Freude auch Kritiken laut, denn das Recht des Selbstanbaus, wie es in einigen US-Staaten oder Kanada möglich ist, würde auch die Krankenkassen entlasten. Es bleibt auch unklar was unter “schwerwiegenden Erkrankungen” zu verstehen sei. Politiker sprechen von “chronischen Schmerzpatienten” und Palliativpatienten. Unklar ist jedoch noch, ob beispielsweise Patienten mit ADHS, Tinitus, Kopfschmerzen oder Schlafstörungen eine Kostenerstattung erhalten.

Die Therapie mit Cannabisöl nach Rick Simpson wird bis auf weiteres auch nicht von den Änderungen profitieren.
Bemängelt wird auch, dass Patienten, die Cannabis verschrieben bekommen, verpflichtet werden, an einer Begleiterhebung teilzunehmen, bei der Vertragsärzte anonymisierte Daten ihrer Patienten an das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte melden müssen.

Trotz aller Kritikpunkte wurde der Gesetzentwurf von vielen gefeiert. Wenn er im Februar den Bundesrat passiert hat, das Gesetz von der Kanzlerin und dem Bundespräsidenten unterschrieben und im Bundesanzeiger veröffentlicht ist, können die Änderungen in Kraft treten.

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